Stricken mit Familie Jocher  | © VMM Digital | Ulrich Pfaffenberger

Markus Jocher: keine Sticheleien mehr

Als Eishockeyspieler war Markus Jocher einst als "Mann fürs Grobe" gefürchtet. Als Chef im Strick- und Nähladen der Familie zeigt er heute mit Häkel-, Strick- und Sticknadel seine andere Seite.

Die Strickjacken von Mama Jocher sind die heimlichen Stars in der Bahnhofstraße 20 in Garmisch-Partenkirchen. Gut, der Sohn Markus mag als Eishockeyspieler ein paar Mal deutscher Meister gewesen sein. Aber diese Strickjacken, die Maschen im perfekten "Line-up", die Silberknöpfe glänzender als jede Eisfläche, die überstrahlen alles. Kein Wunder, dass sich die Fans derselben regelmäßig die Klinke in die Hand geben. Wo bekommt man das schon noch: echte Handarbeit, mit Liebe und langer Nadel gestrickt?
 
1970 hat Elisabeth Jocher ihr Geschäft eröffnet und in kurzer Zeit zum Herzen der Handarbeitsszene in der Gemeinde gemacht. Das Geheimnis des Erfolges: Sie hat nicht nur verkauft, sie hat auch gewusst, wie man damit umgeht. Stricken, Häkeln, Sticken - was auch immer man mit bunten Wollfäden kunstvoll gestalten kann, das ist in ihren Händen zu Kunst geworden. Die Kinder sind im Laden groß geworden, wie Markus, der Mittlere des Trios, berichtet: "Wir sind aus der Schule gekommen und waren im Laden. Wenn's in den Ferien geregnet hat, waren wir im Laden. Und sonst eigentlich auch sehr oft ...", lacht er. Und, ja, bevor Fragen kommen: Der 40-Jährige stickt und strickt und häkelt selbst, zum Beispiel Wintermützen für seine eigenen Kinder.

Markus Jocher: ein echtes Multitalent

Manche, die sich in der deutschen Eishockeyszene auskennen, werden verwundert die Stirn runzeln, wenn sie das hören oder lesen: "Was - der Jocher häkelt? Der harte Hund? Der Mann fürs Grobe?" Verteidiger gelernt, zum Stürmer umgeschult, kraftvoll, energiegeladen und mit Biss bis zur letzten Spielsirene haben ihn die Mitspieler geschätzt und die Gegner gefürchtet. "Weil ich gern da hingegangen bin, wo's wehtut", grinst er verschmitzt. Seine Rolle als "Allrounder" hat ihm behagt, schließlich hat sie ihm immer wieder Eiszeit gebracht, jenes Kriterium, an dem der Wert eines Spielers für die Mannschaft gemessen wird. Drei Meistertitel hat er im deutschen Eishockey miterobert, zuerst in München, dann in Köln, schließlich in Frankfurt.

Das war nicht unbedingt vorgezeichnet, als er in der Jugend des SC Riessersee begonnen hat. Aber als er sich im Laufe der Zeit seinen Weg in die Bayernauswahl und schließlich in die U20-Nationalmannschaft erspielt hatte, stand er bei mancher Mannschaft und bei einigen Trainern auf der Wunschliste. Vielleicht nicht beim legendären "Alpen-Vulkan" Hans Zach, mit dem er in Köln eine harte Zeit hatte; aber wer hatte die nicht unter dem grimmigen Metzgermeister aus Bad Tölz? Eher schon beim Kanadier Rich Chernomaz, mit dem er bei den "Haien" und bei den "Lions" Meister wurde. Noch heute schwingt Wertschätzung mit, wenn er über diesen Trainer spricht.

Ein Meister auf dem Eis

"Wir haben hart trainiert und wir haben hart gekämpft." Vor allem einer wie Markus Jocher, der am Ende seiner Karriere eine knochige Bilanz zog: zwei Knie, ein Ellenbogen und eine Schulter außer Gefecht - und mit 31 in einem Alter angekommen, in dem einem die jüngeren Spieler anfangen davonzulaufen. "Ich hätte schon noch Lust gehabt auf zwei weitere Jahre, aber die Mama hat gemeint, jetzt sei genug kaputt und die Zeit gekommen, dass ich heimkomme und das Geschäft übernehme." Am Anfang noch mit dem fachkundigen Rat der Mutter, inzwischen längst selbst ein Könner.

Das Grundgerüst für die Arbeit im Familienladen hat Markus Jocher mitgebracht. Nicht nur wegen der "Lehrjahre" in der Kindheit, sondern auch durch die kaufmännische Lehre "neben dem Training" sowie die gelegentlichen Ausflüge in befreundete Werkstätten an den Orten, wo er im Verein spielte. Dabei hat er sich nicht nur nützliche Fähigkeiten als Nähmaschinen-Mechaniker angeeignet - zum Geschäft in Garmisch gehört auch der Gerätehandel. Daneben eignete er sich auch die Überzeugung an, dass "es besser ist, man kann etwas reparieren, das hinterher nicht mehr ganz so gut aussieht, als dass etwas perfekt aussieht, aber man kann's nicht mehr reparieren." Weshalb das gemütliche Ladenlokal inzwischen Anlaufstelle für viele ist, die ihr angejahrtes Modell weiter nutzen wollen.

Handwerkskunst vom Feinsten bei Nähmaschinen Jocher

Ein anderes Ergebnis seiner Handwerkskunst sind die kunstvoll bestickten Hosenträger - eine Zierde für jede Tracht oder folkloristische Kleidung. Handgefertigt, Farbe und Muster nach Kundenwunsch. Wenn er sie seinen Besuchern präsentiert, erfüllt ihn dies nicht weniger mit Stolz als das Abschiedstrikot im Treppenaufgang, signiert von einer beeindruckenden Reihe deutscher Eishockeylegenden. Was beide Karrieren des Markus Jocher verbindet? "Du musst Bescheid wissen über das, was du tust und was du verkaufst. Wenn der Kunde sieht, dass du zitterst, dann hast du schon verloren." Wer also Fragen zu Kreuzstich oder Gobelinstich hat: einfach mal bei Nähmaschinen Jocher nach dem Chef fragen. Die Zeiten, als einem ein Stockstich hätte blühen können, sind vorbei.

Und noch ein extra Tipp: Wer gerade wegen der Ausgangsbeschränkungen besonders viel Zeit zuhause verbringt, kann vielleicht eine Ablenkung brauchen. Wie man alten Jeans ein neues Leben schenkt, verrät die Erwalderin Ruth Wanker. Sie macht aus "old jeans new bags".  Hier gehts zur PDF Anleitung.

 

Suchen

Detailsuche